Fortsetzung „Unsere Weihnachtsgeschichte“

Könnt ihr Euch noch an unsere Lechaim-interne Weihnachtsgeschichte erinnern? Am Heiligen Abend 2019 bekam ich (Bernhard) einen Anruf von einem Freund mit der Botschaft:“Hochschwangere Iranerin mit Mann und Sohn sucht Raum in einer Herberge!“

Am 27. Dezember zogen Navid, Tarane und Yazdan in unseren „Stall“ (Gemeinschaftsraum) ein und bereicherten unser Lechaim-Leben in vielfältiger Weise. Ende Januar kam die kleine Jasmin und im Februar noch Taranes Mutter aus dem Iran dazu.

Vor zwei Wochen konnte die Familie nun aus unserer Notlösung in eine schöne Dreizimmerwohnung in Herten umziehen. Kurz vorher konnte ich folgendes Interview mit Navid führen:

Bernhard:
Ihr habt nun ein halbes Jahr bei uns im Lechaim gewohnt. Was hat dir in dieser Zeit gut gefallen, und was könnten wir Lechaimler in Zukunft noch besser machen?

Navid:
Ich kann ganz ehrlich sagen, dass diese sechs Monate die beste Zeit für uns in Deutschland waren. Meine Frau meint das auch. Die Situation war für uns schwierig, aber wir haben alle viel von Euch gelernt. Von meiner Seite kann ich sagen. Es war alles perfekt. Die Leute sind ehrlich miteinander. Jeder hat etwas Besonderes. Man muss noch mehr feiern.

Bernhard:
Kannst Du nochmal berichten, wie es aus Deiner Sicht dazu kam, dass Ihr im Lechaim gelandet seid?

Navid:
Es war genau am Heiligabend. Unsere Wohnung war ganz schlecht mit Schimmel. Wir waren eine Woche irgendwo. Mein Freund sagte: Ich habe eine Idee – vielleicht hat das Lechaim in Lörrach Platz für Euch. Wir haben Euch kennengelernt. Es war ein großes Wunder für uns, dass ihr ja gesagt habt. Wir haben viel gesucht, aber überall war die Tür zu. Im Lechaim habe ich gemerkt: Das ist der richtige Platz für uns. Wir wurden freundlich begrüßt. Ich habe erst gesagt, es werden sechs Wochen. Aber aus einer Woche wurde ein Monat.

Bernhard:
Wir haben viel zusammen gemacht. Du hast viel geholfen, wir haben zusammen Musik gemacht. Welches gemeinsame Erlebnis in den letzten Monaten ist dir besonders in Erinnerung?

Navid:
Ich kann sagen, das beste Projekt hier waren die Frauen, die mit ihren Kindern allein sind („Dein Platz“-Projekt für alleinerziehende Mütter mit ihren Kindern). Das war unglaublich toll, eine tolle Idee, anderen zu helfen. Auch Musik machen, gemeinsames Bauen, zusammen im Garten arbeiten, zusammen Essen. Ich erinnere mich gerne an das alles. Aber das Beste war wirklich, dass ich etwas gefunden habe, wie man Glauben leben kann. 

Bernhard:
Als Familie habt ihr in einem Raum gelebt. Das war schon eng, oder?

Navid:
Das geht schon. Das war normal. Das war kein großes Problem. Wichtig war, dass meine Frau und mein Sohn sich gefreut haben. Yazdan hat viel gelernt, Fahrrad fahren und mit anderen spielen. Ich habe gelernt, wie man in Ruhe und Balance leben kann. Ich bin nicht gut darin, aber habe etwas gelernt.

Bernhard:
Wie sind jetzt eure Pläne? Zunächst der Umzug nach Herten und dann?

Navid:
Wir wollen jetzt gemütlich ein paar Jahre in Herten leben. Ich hoffe das. Aber ich will diese Freundschaft behalten und wieder zu euch kommen. Das ist wichtig für mich, auch wenn es schwierig sein wird. Ich komme auch gerne für Bauprojekte zu euch. Wir wollen euch nah sein. Gott sei Dank, dass wir die besten Freunde in Deutschland gefunden haben!

Zusatz von Tarane:
Unser Ziel ist es auch die Zukunft zu gestalten! Navid sollte bald in der Lage sein, seine Tierpräparator-Werkstatt zu eröffnen. Und ich, Tarane, werde mit Sicherheit eine Ausbildung beginnen!

Bernhard:
Vielen Dank, lieber Navid! Und euch als Familie Gottes Segen und gutes Einleben in Herten!